EFT mit Familienaufstellung

Geschichte:

Vorläufer der Systemischen Familientherapie finden sich in der psychoanalytischen Therapie neurotischer Ehekonflikte und der Kindertherapie Sigmund Freuds Anfang des 20. Jahrhunderts. Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelte Alfred Adler ein Modell zur Einbeziehung ganzer Familien in die Familien- und Erziehungsberatung. Doch erst in den fünfziger Jahren wurden diese Ansätze in Amerika systematisch und interdisziplinär weiterentwickelt.

Anstöße dazu ergaben sich aus der Anwendung des kybernetischen Modells auf die Untersuchung familiärer Beziehungen, aus verschiedenen kommunikationstheoretischen Ansätzen (Watzlawick, Palo-Alto-Gruppe), sowie aus der Hypnotherapie Milton H. Ericksons, aus der Transaktionsanalyse Eric Bernes und aus dem Psychodrama von Jacob L. Moreno. Die weitere Entwicklung der Systemischen Familientherapie knüpft sich vor allem an die Namen Virginia Satir, Salvador Minuchin, Steve de Shazer, Mara Selvini-Palazzoli und die Heidelberger Schule für Familientherapie (Helm Stierlin).

In Europa verstärkt sich erst in den siebziger Jahren der Zustrom familientherapeutischer Ansätze und Methoden aus den USA. Institute für Familientherapie werden gegründet, darunter die in Mailand, Weinheim und Heidelberg. Ende der siebziger Jahre entsteht die »Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Familientherapie« (DAF), Ende der achtziger Jahre wird der »Dachverband für Familientherapie und systemisches Arbeiten« gegründet (DFS), 1993 die »Systemische Gesellschaft« (SG). DAF und DFS schließen sich 2001 zusammen und gründen die »Deutsche Gesellschaft für systemische Familientherapie« (DGSF).

Nach Schätzungen sind derzeit bundesweit mehr als 3.000 Familien- und PaartherapeutInnen tätig. Mehr als 10.000 Personen haben eine Weiterbildung in Familientherapie absolviert und arbeiten im psychosozialen Bereich.

 

Ziele: Grundsätzliches Ziel der Systemischen Familientherapie ist es, die Autonomie und den Selbstwert jeder einzelnen Person bzw. jeden Familienmitglieds zu stärken - sowie den Zusammenhalt untereinander zu festigen, die Kommunikation und den Austausch zu verbessern und schädigende Beziehungsmuster zu verändern.

Im psychotherapeutischen Bereich: Heilung von psychischen und psychosomatischen Problemen und Störungen aller Art. Im Beratungsbereich: Lösung von Generations-, Ablösungs-, Entscheidungs-, Trennungs- und anderen Problemen und Konflikten. Zielgruppen: In der Systemische Familientherapie kann sowohl mit dem gesamten System, als auch mit Teilsystemen und Einzelpersonen gearbeitet werden. Die Familientherapie wendet sich dementsprechend an Familien, Paare, Gruppen, Organisationen und andere soziale Systeme, aber auch an Einzelpersonen.

 

Vorgehensweise: Die Systemische Familientherapie ist eher lösungs- als problemorientiert. Sie geht davon aus, daß die Problemgeschichte für die Entwicklung geeigneter Lösungen oft wenig relevant ist.

Die Ziele (bzw. der »Auftrag«) der Therapie werden von den KlientInnen (z. B. Familienmitgliedern) und den TherapeutInnen (oft sind es zwei oder mehr TherapeutInnen) in der ersten Stunde gemeinsam festgelegt. Die Ziele können sich allerdings im Laufe der Therapie ändern und werden immer wieder gemeinsam überprüft.

Je nach Situation werden die Sitzungen mit dem ganzen System, mit Untergruppen (z. B. nur die Eltern, Geschwister) oder auch mit einzelnen Mitgliedern durchgeführt. Bei Gruppensitzungen entscheiden die TherapeutInnen, wer an den Sitzungen teilnimmt.

Die TherapeutIn regt das zu »behandelnde« System bzw. dessen Mitglieder mit »zirkulären« Fragen an, über ihre Beziehungsmuster zu sprechen, und erschließt aus den Antworten, nach welchen Regeln das System funktioniert. Eine besonders wirksame Technik hierfür sind die sogenannten »Familienskulpturen«: Eine Person soll ihr inneres Bild von der Familie (oder einer Situation) mit Hilfe von Holzfiguren und Stühlen (oder den Personen selbst) widerspiegeln. Durch die besondere Art, in der sie diese anordnet, werden die sozialen Positionen, Beziehungskonstellationen und Konflikte für alle anschaulich.

Durch paradoxe Interventionen (Aufträge, die das Gegenteil dessen bezwecken, was sie besagen) kann das Familiensystem bzw. die bisherige Ordnung innerhalb eines Systems »verstört« werden. Die TherapeutIn »verschreibt« dabei beispielsweise einer Person genau das Symptom, unter der sie leidet (so wird zum Beispiel dem unter Schlaflosigkeit leidenden Familienmitglied aufgetragen, auf jeden Fall wach zu bleiben; dem streitenden Paar wird der Auftrag gegeben, jeden Abend eine Stunde lang vor dem Abendessen zu streiten - aber nur dann).

Neuartige Verhaltensweisen wie diese zwingen alle Mitglieder zum Umlernen: Das System soll mit Hilfe der therapeutischen Interventionen in Bewegung geraten und sich mittels seiner selbststabilisierenden Eigenschaften neu ausrichten bzw. neu arrangieren. Alte Regeln und Muster können auf diese Weise revidiert und neue in das System eingeführt werden.

Quelle: www.psychotherapie-netzwerk.de